SOS Hunde-Hilfe e.V.  SOS Hunde-Hilfe e.V.    SOS Hunde-Hilfe e.V.    SOS Hunde-Hilfe e.V.    SOS Hunde-Hilfe e.V.

                                

Es geschah am 18.09.00. An diesen Tag werde ich oft noch heute erinnert!

Ich war vormittags ganz normal arbeiten, als ich einen Anruf von Ilona erhielt. In einer Wohnung in Reinickendorf sollten Ratten eingesammelt werden, ob ich helfen könnte. Leute vom Rattenclub wären auch mit dabei, aber allein würden sie es nicht schaffen. Der Mann aus der Wohnung wurde zwangseingewiesen und die Wohnung sollte entrümpelt werden... wenn da diese Mengen von Ratten nicht wären (geschätzt wurden 40/50 Stück)!

Tja, was macht man an einem Tag, an dem auch noch der eigene Freund Geburtstag hat und man einen gemütlichen Abend zusammen verbringen wollte? Man fährt natürlich hin und setzt sich unter Zeitdruck: „Ach Schatzi – das ist ein Notfall - höchstens zwei Stunden, dann bin ich wieder da“. Und aus den geplanten zwei Stunden wurden knapp vier!

Ich sammelte also noch eine Freundin ein, die helfen wollte, und wir fuhren bewappnet mit Handschuhen dorthin. Als erstes kam uns ein beißender Uringeruch im Treppenhaus entgegen. Meine Freundin war sofort außerstande diese Wohnung zu betreten.  

In der Garderobe im Flur erwarteten mich bestimmt 30 kletternde Ratten in allen Farben und Größen. Sie turnten über die Garderobe, auf dem Hängeboden und waren in den Jacken und Mänteln versteckt. Der Geruch mit diesem Anblick war echt kein Vergnügen (ich habe so etwas noch nie gesehen!) Aber das sollte noch nicht alles sein...

Das Klo war schon rattenfrei. Ilona hatte den Rattenclub angerufen und noch ein paar andere Leute für den Rattenfang organisiert.

 

 

Ich kümmerte mich dann um die sogenannte Küche. In dieser konnte man weder essen noch kochen. Müllberge türmten sich am Boden, in den Schränken und auf den Ablageflächen. Dazwischen leise Piepsgeräusche und Rascheln. Los ging es also: Im Herd, in den Küchenschränken, im Kühlschrank, im Müll und zwischen dem „Teppichboden“, der teilweise schon auseinandergenommen dalag, haben wir Ratten eingesammelt, bis keine Geräusche mehr zu hören waren – und das waren nicht wenig... 

Dann ging es weiter im Wohn- und Schlafzimmer der 1-Zimmerwohnung. Der Rattenclub sammelte schon eine Weile die bereits stark abgemagerten und hungrigen Tiere ein. Es war nicht einfach zwischen einem möblierten Zimmer die Tiere zu finden und zu fangen. Also erst mal die Möbel und Gegenstände sortieren und stapeln. Die Couch war voll mit Rattenbabys!!!

Wir mussten die Couch auseinandernehmen, da wir sonst die Tiere nicht hätten fangen können. Es waren überall Ratten. Die huschten von einer Ecke in die nächste und an der Gardinenstange hoch. Es war nicht so einfach, sie einzufangen.

 Es ist sehr schwer zu beschreiben, wie dieser Mann, der in der Wohnung gewohnt hatte, gehaust hat. Es war einfach unvorstellbar!!!

Letztendlich haben wir insgesamt 190 (!!!) Ratten vor dem Kammerjäger gerettet, wofür nicht jeder Verständnis haben wird, mein Freund eingeschlossen, denn unser schöner Abend war gegessen...

Die Tiere waren am verhungern und verdursten, denn nirgends war Wasser oder Futter. Ein Teil ist auch noch verstorben, aber ich habe geholfen und das ist für mich wichtig! Die Leute haben die Tiere mitgenommen und versorgt. Später wurden sie vermittelt.

Unvorstellbar wäre ebenfalls, wenn dieser Mann so krank geworden wäre, dass er sich nicht mehr hätte bewegen können. Dann hätten die verzweifelt nach Futter suchenden Tiere bestimmt nicht nur Möbel angefressen...

Kerstin Schurr