SOS Hunde-Hilfe e.V.  SOS Hunde-Hilfe e.V.    SOS Hunde-Hilfe e.V.    SOS Hunde-Hilfe e.V.    SOS Hunde-Hilfe e.V.

                               

Kampfhunde oder Kampf um unsere Hunde ?!

Am 27. Juli schockierte uns alle die Nachricht über das Schicksal eines kleinen Jungen in Hamburg, der von zwei sogenannten Kampfhunden grausam getötet wurde. Der Besitzer dieser Hunde ist ein mehrfach vorbestrafter Krimineller, beide Hunde unterlagen durch vorherige Auffälligkeiten dem Maulkorb- und Leinenzwang, der von den zuständigen Behörden weder kontrolliert noch durchgesetzt wurde.

Es folgte eine einseitige und sehr aufwendig gestaltete Hetze, verursacht durch die Medien, die quasi über Nacht jeden kurzhaarigen Hund als gefährliche Waffe und jeden Menschen, der einen solchen Hund führte, als potentiellen Mörder deklarierte. Unter diesem Druck erließen die Politiker in jedem Bundesland andere willkürliche Eilverordnungen ohne Sinn und Verstand, um den Bürgern so etwas wie ein Bemühen um Schutz und Sicherheit vorzugaukeln. In Berlin wurde für 12 Hunderassen und deren Mischlinge von jetzt auf gleich Maulkorb- und Leinenzwang verhängt. Sogenannte Interventionsteams der Polizei wurden auf die Straße geschickt, um die Einhaltung der neuen Verordnung mit allen Mitteln durchzusetzen. Allein die subjektiv unterschiedliche Betrachtungsweise der verschiedenen Mischlinge, welcher Hund nun ein sogenannter Kampfhund ist und welcher nicht, führte zu einem unglaublichen Chaos und eine Hatz auf unschuldige Hundebesitzer - und an dieser Hatz beteiligte sich auch ein großer Teil der Bevölkerung! So wurden Hundebesitzer angepöbelt, bespuckt und geschlagen. Ein neues Feindbild war entstanden... und hier waren nicht nur die Besitzer von sogenannten Kampfhunden, sondern auch viele andere Hundehalter mit ihren Hunden betroffen. Nicht nur mit Sprüchen wie „Euch sollte man vergasen!“,Die Viecher sollte man erschlagen und euch gleich mit!“, „Geh mir aus dem Weg, sonst steche ich deinen Köter ab!“ und körperlichen Angriffen wurden und werden Hundehalter malträtiert. Endlich sieht auch der böse Nachbar die Chance, zuzuschlagen, in dem er seinen Hausgenossen beim Vermieter denunziert.

Denn die meisten Wohnungsbaugesellschaften ziehen mit, indem sie eigene willkürliche Rasselisten aufstellen und die Abschaffung der Hunde fordern. Sogar die Deutsche Bahn verweigert nicht nur die Beförderung von 13 Hunderassen mit ihren Haltern, sondern verbietet sogar den Zutritt auf bahneigenem Gelände.

Viele Besitzer dieser „Listenhunde“ fühlen sich dem allgemeinen Druck nicht mehr gewachsen, lassen ihre Hunde töten oder setzen sie in verantwortungsloser Weise einfach aus. Die Tierheime sind überfüllt, die Tierschutzvereine überfordert.

Natürlich gibt es gefährliche Hunde! Aber die Gefährlichkeit eines Hundes läßt sich nicht ableiten aus seiner Rassezugehörigkeit, sondern ist erheblich abhängig von seinem Halter, den Aufzuchts- und Haltungsbedingungen. Die aufgestellten Rasselisten sind nutzlos, denn Kriminelle werden auf andere Rassen umsteigen, um diese zu mißbrauchen für ihre perversen Belange.

Seit Erlaß dieser unseligen Hundeverordnung hat jeden Sonnabend Nachmittag eine Demonstration dagegen stattgefunden. Anfänglich führte die Route von der Siegessäule zum Brandenburger Tor, später dann vom Wittenbergplatz über den Kurfürstendamm zur Gedächtniskirche. Die Presse begleitete auch anfänglich diese Demos und so konnte man in Zeitungen und Fernsehen dieses Thema wach halten. Leider ließen die Berichte zu oft die erforderliche Objektivität vermissen. Statt Sinn und Absicht der Demonstranten objektiv wiederzugeben, wurden oft reißerische Stories und einseitige und provokante Bildberichte veröffentlicht. Irgendwann ließen sich dann wohl selbst diese Berichte nicht mehr an den Mann bringen, das „Sommerloch“ war gestopft und so begann die Phase der völligen Ignoranz seitens der Presse. Wochenlang fand man weder in den Zeitungen und schon gar nicht im Fernsehen Hinweise oder Berichte zu der Kritik an der neuen Hundeverordnung. Nachdem die Presse mobil gemacht hatte, hinterläßt sie nun den Scherbenhaufen. Das Schicksal vieler Hunde und deren Halter ist ihnen keine Zeile mehr wert.

 
 

 

 

 

 

 

 

 

Leider schwand auch die Anzahl der Demonstranten von Woche zu Woche. Anfänglich sah man viele „Kampfhunde“ mit deren Haltern, aber auch viele andere, die wohl auch aus Solidarität zu denen,

die durch die Hundeverordnung besonders stark betroffen waren, teilnahmen. Viel zu viele Hundehalter aber blieben derartigen Veranstaltungen fern. Sie haben wahrscheinlich bis heute nicht verstanden, dass auch sie mit ihrem Dackel, Westhighland-Terrier oder sonst einer „ungefährlichen“ Hunderasse ebenso betroffen sind. Die aufgehetzte Volksseele unterscheidet nämlich nicht zwischen den Hunderassen. Für viele von denen ist jeder Vierbeiner nun eine willkommene Gelegenheit, mobil zu machen. Man sieht sich im Recht und ist oft sogar stolz darauf. „Hilft“ man doch aktiv mit, Recht und Gesetz einzuhalten. Unkenntnis, Gleichgültigkeit und eine Portion Intoleranz sind ein guter Wegbereiter, um am Beispiel Hund sozialen Unfrieden zu stiften. Die besonders schlimmen Auswüchse dessen sind dann auch wieder für die Medien von Interesse. Und so schließt sich der Kreis, in dem eben auch die gefangen sind, die glaubten, gar nicht betroffen zu sein.

So bleibt zum Schluss die Frage: „Wie soll es weitergehen?“

Man wird sich sicherlich wohl oder übel den Auflagen erst einmal weitgehend beugen müssen. Dazu gehören der Leinen- und Maulkorbzwang ebenso wie der Sachkundenachweis und der Wesenstest für die Haltung der fünf angeblich besonders „gefährlichen“ Hunderassen. Die Macht der Presse ist zu groß und die Einigkeit der Hundelobby und damit der Widerstand und der Protest zu gering. Die wenigen, die sich laut gewehrt haben, konnten bisher nicht viel ausrichten. Auf der letzten Demo am 16.12.2000 nahmen von 250.000 gemeldeten Hunden in Berlin nur noch rund 100 Hundebesitzer teil. Enttäuschend für die, die sich engagiert haben.

Immer noch gibt es Hunde, die von ihren Besitzern aus Angst versteckt gehalten werden. Ihr Los wird letztendlich der Tod sein. Viele Hunde haben bereits jetzt ihr Zuhause verloren und sind schon, auf oft qualvolle Weise, gestorben. Daher sollten sich Züchter und Hundehalter, soweit nicht vom Gesetz ohnehin gefordert, selber mittelfristig eine Zuchtaussetzung auferlegen. Die Tierheime sind derzeit so überfüllt, dass die Nachfrage für lange Zeit auch ohne Nachzucht befriedigt werden kann.


 

Eines der größten Probleme ist, dass in den Auffangstationen der Städte bundesweit aus Platzgründen keine artgerechte Haltung mehr möglich ist und die Städte und Länder aufgrund mangelnder Unterbringungsmöglichkeiten offizielle Tötungsprogramme in Erwägung ziehen.

„Inoffizielle“ Massentötungen haben bereits stattgefunden!

Und wir, die wir uns um in Not geratene Hunde kümmern, tun gut daran, die Interessenten, die einen solchen Hund erwerben wollen, auf diesen noch lange anhaltenden Zustand in den Tierheimen und Pflegestellen hinzuweisen. Die meisten von uns sind ja auch auf diese Weise „auf den Hund gekommen“ und haben ihn sehr liebgewonnen, ohne dass er den ursprünglichen Vorstellungen voll entspricht.

Es wird letztlich die Liebe zum Hund sein, die uns einen hoffentlich gangbaren Weg finden lassen wird. Denn die Liebe gibt niemals auf!

Ilona Zajc/Thomas Kumbier

Fly wurde Ende letzten Jahres als 6 Wochen altes Baby in einem blauen Müllsack weggeworfen. Ein aufmerksames Kind hat sie gefunden uns es ist uns glücklicherweise gelungen, sie an einen verantwortungsvollen Besitzer zu vermitteln. Fly ist zu einem fröhlichen, aufgeschlossenen Hund herangewachsen, der nichts lieber tat, als mit den Kindern Ball zu spielen und Stöckchen herumzutragen.

Das ist vorbei. Seit einem halben Jahr wird sie als gefährliche Bestie beschimpft.

Statt Ball und Stöckchen trägt sie nun einen Maulkorb.

Du bist nicht nur für das verantwortlich, was Du tust –

sondern auch für das, was Du NICHT tust!